Der unsägliche Tittenbonus. Oder: Mein erster Piraten-Rant.

Liebes Internet, liebe Piraten,
wir müssen reden.

Heute Mittag dürfte die deutsche Twittersphäre wieder mal einen bedauerlichen Einzelfall mitbekommen, dieses Mal (leider zum wiederholten Male) aus der Riege der Berliner Abgeordnetenhausfraktion der Piraten. Gerwald Claus-Brunner, der sich bereits in den letzten Wochen bei der queeren Community Berlins besonders beliebt gemacht hat, hat sich mal wieder auf eine besonders zivilisierte Art und Weise in die Debatte um Frauenquoten in der Piratenpartei eingebracht. Dies stellt nach der Palituch & Davidstern Debatte wieder einmal eine besonders große Feinfühligkeit für gesellschaftliche Stereotypen, Diskriminierung und Minderheiten unter Beweis.

Aber erstmal der Reihe nach. Was regt mich gerade konkret auf?

Zwei Dinge.

1. Sexistische Kackscheiße

Stein des Anstoßes war für mich und viele andere folgender Tweet (der dann wohl auch das #penenbonus-Mem initiierte wenn mich nicht alles täuscht)

Tittenbonus/Claus-Brunner

Auf wie vielen Ebenen die Unterstellung falsch ist, Frauen wären nur für die Quote weil sie sich davon Posten über einen “Tittenbonus” versprechen, haben die etlichen Beiträge im nachfolgenden Shitstorm illustriert. Seine “Kritik” folgt der patriarchalischen Logik, die Forderungen nach dem Aufbrechen einseitiger Privilegien als unverhältnismäßigen, aus niederen Motiven motivierten Angriff auf Entfaltungsrechte der priviligierten Gruppe zu delegitimieren. Dass es vielleicht Frauen (und – surprise! – Männer) geben könnte die die Quote fordern und dabei nicht ihre Karrierechancen, sondern vielmehr langweilige Ziele wie Gleichberechtigung im Blick haben, scheint ihm nicht in den Sinn gekommen zu sein. Was für ein Bild der gute Gerwald Claus-Brunner von Frauen als gesellschaftlicher Gruppe hat, können wir in weiteren Tweets nachlesen:

Geschlechtliche Kategorien werden hier auf eine Stufe mit wirtschaftlichen Berufen gestellt. Denn, wie wir alle wissen, haben sich natürlich alle Frauen selber ausgesucht, Frau zu sein. Wenn Simone de Beauvoir in “Das andere Geschlecht” schreibt “On ne naît pas femme, on le devient” (Man wird nicht als Frau geboren, man wird es) oder Judith Butler in “Gender Trouble” die Performativität von geschlechtlichen Praxen herausstellt, dann ist das natürlich eine perfide differentialfeministische Strategie um die wahre Verantwortlichkeit auf die bösen Männer abzuladen (is klar). Keineswegs beschreiben sie, dass Menschen primär von außen und sekundär durch unterbewusste Anpassungspraktiken in ihrer geschlechtlichen Identität und Wahrnehmung definiert werden. (Und noch was zur Quote: Ja, die Quote ist eine Symptombekämpfung und keine reine Ursachenbekämpfung. Aber so zu tun als wäre Nichtstun eine bessere Ursachenbekämpfung? You gotta be kidding me)

Wir halten fest: Frauen sind neuerdings “scheinbar benachteiligt” und die Rufe nach Gleichberechtigung, also nach der Einhaltung und Wahrung der elementaren Menschenrechte, der Gleichbehandlung vor dem Gesetz (Rechtstaatlichkeit) und das Recht auf die Selbstentfaltung des Individuums sind “First World Problems”. Und das gilt auch für andere Gruppen, die wegen Diskriminierung “rumheulen”. Ich möchte nicht darüber spekulieren, wem Claus-Brunner noch die Einforderung der eigenen Rechte absprechen möchte. Aber so eine Einstellung ist hochgradig destruktiv.

Ich bin es langsam Leid meine Sympathien für die Piratenpartei von sexistischer Kackscheiße torpedieren zu lassen. Zwar beruhigt es mich, dass es auch noch einen Haufen vernünftige Leute in dieser Partei gibt, aber Ausfälle wie dieser stellen meine Sympathien auf eine harte Probe. Die Piraten müssen meinetwegen keine Quote einführen – aber gesellschaftliche Schieflagen und von Diskriminierungserfahrungen geprägte Lebensrealitäten zu verharmlosen geht gar nicht. In den letzten 30-40 Jahren wurde eine Unmenge an Sensibilisierungsarbeit geleistet. Dass diese Arbeit einen Grund hatte – nämlich eine patriarchale Gesellschaftsstruktur – ist auch noch heute durch unzählige empirische Daten nachzuweisen. Auch stimmt, dass die Quote nur eines von vielen möglichen Mitteln gegen diese Ungleichbehandlung ist – aber bis jetzt wurde kein Nachweis erbracht, welches Mittel gegen diese Schieflage besser hilft als eine Quote in Schlüsselbereichen, vor allem wenn es um repräsentative Tätigkeiten geht. Auch nicht von Seiten der Piraten. Dort sind sie im Zugzwang, nicht die Grünen oder gar “der Feminismus”.

2. Wo ist die Transparenz? Wo die neue politische Kultur die uns versprochen wurde?

Der Grund weshalb ich hier keine Tweets direkt einbinde, sondern als Bilder einfüge, ist einfach nur zum facepalmen. Denn Claus-Brunner hat nicht nur mich und andere Twitterer geblockt, die ihm in seinen Aussagen widersprachen. Sondern auch die brisantesten Tweets zu “Tittenbonus” und “irgendwelchen Gruppen” gelöscht. Ich wage nicht zu behaupten internetversierter zu sein als er, aber dass trotzdem noch auf seine Tweets zugegriffen kann (ausloggen) und dass Tweets anderweitig gespeichert (Screenshot) werden können, sollte ihm mit seinen 20k Tweets mehr als bewusst sein. So aber offenbart er ein sehr fragwürdiges Verhältnis zu den groß hochgehaltenen Idealen der Piratenpartei – Transparenz und Dialog.

Wo ist er hin, der gläserne Abgeordnete @RealDeuterium? Will er uns vermitteln, dass er gerne so lange transparent arbeitet wie es ihm persönlich in den Kram passt? Dass er, sobald Kritik an seinen Aussagen kommt, auf Abwehr schaltet statt zu diskutieren und die Diskussion durch das Ausnutzen seiner Machtposition als Inhaber des eigenen Twitteraccounts abbricht? Dass er einfach so eigene Aussagen ungeschehen machen kann in dem er sie einfach löscht?

Und selbst wenn nicht: Sogar seine Art Kritik zu kategorisieren und dadurch zu relativieren ist fragwürdig:

Es mag sein, dass sich übermäßig viele parteipolitisch engagierte Menschen über seine Tweets aufgeregt haben. Sich als Anwalt „des einfachen Volkes“ zu inszenieren welches natürlich anderer Meinung ist als „Politiker“ ist jedoch billigster Populismus und bedient hemmungslos antidemokratischer Ressentiments bei der verzweifelten Suche nach inhaltlichem Rückhalt. Natürlich drückt meine Mitgliedschaft eine gewisse inhaltliche Position aus – aber ich bin aufgrund meiner politischen Positionen erst zu einem Parteimitglied geworden. In erster Linie bin ich ein eigenständiger Mensch und habe daher auch als Parteimitglied das Recht auf eine gleichberechtigte Stimme in politischen Debatten – oder steht dieses Recht für Claus-Brunner ernsthaft zur Disposition?

Dieses Verhalten macht ihn keinesfalls zu einem greifbaren Abgeordneten. Würden wir diesen Tweet für repräsentativ für sein gesamtes Verhalten als Abgeordneter lesen, dann ist ihm die Meinung von Menschen die in anderer Parteien Mitglied sind weniger wichtig als die Meinung von Parteilosen. Seine eigene Partei kommt nicht vor, aber da er zum Glück auch aus seiner eigenen Partei nen Shitstorm abbekommen hat, ist das wohl leicht zu erklären. Leider passt dieses Verhalten in das Bild, was im Bezug auf seine ruppige Art gegenüber dem queeren Förderverband elledorado entstanden ist. Ich denke nicht, dass er dieses Bild aussenden möchte.

Gleichzeitig ist mir bewusst, dass wir es mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben. Da Parteien auch nur aus eben dieser Gesellschaft gespeist werden, ist klar, dass sie auch deren Probleme übernehmen. Und sich nur über einen Fall aufzuregen, lässt andere in den Hintergrund geraten. Aber ich hatte das Bedürfnis, in diesem Fall den Mund auf zu machen. Und: Da ich geblockt wurde, bleibt mir auch ohnehin kaum eine andere Möglichkeit als meine Kritik auf diese Weise sichtbar zu machen. Ich lasse mir nicht den Mund verbieten – vor allem nicht von einem Piraten.

Ich denke nicht, mich ohne Grund aufzuregen. Und ich hätte jetzt auch keine 1000+ Zeichen geschrieben, wenn es mich nicht wirklich wütend gemacht hätte. Ich wünschte mir, wir (Piraten, Grüne, Gesellschaft) könnten uns irgendwann auf einen Grundkonsens bzgl. der Diskriminierung von Minderheiten einigen. Es ist klar, dass wir unterschiedliche Perspektiven mitbringen – aber auch ich habe wie Claus-Brunner die Perspektive eines weißen, homosexuellen internetaffinen Mannes, und ich sehe reichlich Grund, die von ihm getätigten Aussagen zu problematisieren – und diese Perspektiven erfordern gegenseitige Vermittlung. Klar gibt es feministische Erfolge in den letzten 40-50 Jahren, und klar sieht die Welt heute für Frauen etwas besser aus – aber wo auch immer das anatomische Geschlecht solche massiven Einflüsse auf das gesellschaftliche Leben hat, gehört dies problematisiert. Es zu verneinen ist naiv und ignorant, so zu tun als wäre das körperliche und gesellschaftliche Geschlecht heute irrelevant ist fahrlässig

Ich hoffe dass Gerwald Claus-Brunner seine Worte und Handlungen vom heutigen Tage noch einmal in Ruhe reflektiert und problematisiert. Er wurde auch für das Durchsetzen einer neuen politischen Kultur in das Abgeordnetenhaus gewählt – wenn er das jedoch nicht einmal auf Twitter durchsetzen kann, dann ist das Schade. Schade um die Idee und schade um die Piraten.

25 Gedanken zu “Der unsägliche Tittenbonus. Oder: Mein erster Piraten-Rant.

  1. Quote mit „Wahrung der elementaren Menschenrechte“ gleichzusetzen ist selbst für Sympathisanten mit Augenmaß arg dick aufgetragen…

    Weiterhin viel Spass an den Geräten.

  2. Hallo Bernd!

    In dem Abschnitt ging es nicht konkret um die Quote, sondern allgemein um das Recht die eigene Diskriminierung anzuprangern. Ich hatte bei dem Beispiel auch andere Gruppen im Hinterkopf, wie zB Homosexuelle die sich heute mehr denn je mit Aussagen konfrontiert sehen, dass „sie ja gar nicht mehr diskriminiert werden würden“ und dass es ihnen heute „schon gut genug“ gehen würde.

  3. Das ist wohl das Neue, das die Piraten in die Politik bringen, man weiß schneller, was deren wirkliche Meinung ist. Bei aller Distanz zu dne Äußerungen, empfinde ich das durchaus als einen prinzipiellen Vorteil.

  4. Obwohl ich dir grundsätzlich zustimme, interpretierst du einen der Tweets imho ganz falsch:

    Mit den „Industriearbeiterquoten“ und den „Lkw-Fahrerquoten“ werden wohl eher Frauenquoten in dem jeweiligen Bereich gemeint sein. Und in der Aussage über die Existenz dieses Problems muss ich @RealDeuterium sogar zustimmen, wenn auch nicht seiner Folgerung daraus.
    Ich wäre für Geschlechterquoten für beide Geschlechter in einer breiten Masse von Berufen. Entzieht nämlich imo sowohl dem „Quoten sind männerfeindliche Diskriminierung“-Argument als auch dem „Da wollen sich nur ein Paar Frauen per Tittenbonus in Vorstände bringen“-Argument jegliche Grundlage. Und schaden wirds wohl eher nicht.

    Dunkelzahn

  5. Was ich mich beim Thema Frauenquote immer frage, ist Folgendes: Müsste man, wenn man für die Frauenquote ist, nicht auch dafür sein, in jedem Beruf, jeder Institution etc. für jede unterrrepräsentierte Gesellschaftsgruppe eine Quote zu etablieren? Und wäre das nicht einfach zu viel – insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass sie, wie im Text beschrieben, lediglich eine Symptombehandlung darstellt?

  6. @Dunkelzahn: Wenn @RealDeuterium diesen Tweet tatsächlich so meinte, muss ich meine Kritik zumindest zur Hälfte zurück stellen. Allerdings, und da würde ich gleich grunts Beitrag mit beantworten wollen, ist die Quote meines Wissens nach im Großteil der Fälle als Mittel gedacht, um in repräsentativen Gremien eben diese Repräsentation zu ermöglichen bzw. in Bereichen der Karriereleiter, zu denen Frauen viel weniger Zugriff haben, die Ausschlussmechanismen zu überbrücken. In den „niederen“ Bereichen müssen andere Anreize geschaffen werden. Die Quote ist ja auch nie das Allheilmittel, sondern sollte immer im Tandem mit anderen Förderinstrumenten wirken. Die können Probleme in der Ausbildung von Pfleger*innen oder Pädagog*innen effektiver angehen als eine reine Quotenregelung.

  7. Ich wollte nicht implizieren dass Frauen keine „Männerarbeit“ machen müssen. Dass die Berliner Stadtreinigung eine so hohe Frauenquote für Einstellungen vorsieht, wusste ich nicht und hat mich ziemlich überrascht. Danke für die Info! 🙂

  8. Für welche Unternehmen fordern sie denn die Quote genau ? Wer legt das fest und was soll zBsp Ihrer Meinung nach genau festgelegt werden ?

  9. Die Quote ist ein unglaublich beschissenes Werkzeug. Leider hat die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte gezeigt, dass es das einzige Werkzeug ist, das tatsächlich in der Lage ist, Strukturen aufzubrechen.

    Es gibt noch ausreichend viele unaufgebrochene Strukturen. Und solange dem so ist, werde ich eine Quote unterstützen, wohl wissend, dass sie nicht die Traumlösung für 100%ige Gerechtigkeit sein kann.

    Solange LEGO meint, Kinderspielzeug für Mädchen und Jungen getrennt anbieten zu müssen (das war früher mal anders!) glaube ich nicht daran, dass Männer und Frauen in einer gleichberechtigten Welt leben.

  10. Im allgemeinen bin ich für die Ziele, für die die Frauenquote steht. Allerdings befürchte ich, dass bei einer ausgeschriebenen Stelle durch die Quote eine Frau dann auf jeden Fall eingestellt werden muss, selbst wenn ein männlicher Mitbewerber qualifizierter wäre.
    Was ich damit sagen möchte ist, dass wir nicht Diskriminierung durch Benachteiligung ersetzen dürfen. Das ist dann auch der Grund (der einzige übrigens :)), warum ich mich mit der sogenannten Frauenquote schwer tue.

    Mich würde da sehr deine Meinung zu diesem Punkt interessieren.

    Alex

  11. Hey Alex!

    Ich denke da führen mehrere Wege heraus. Der gesellschaftliche Status Quo, also die informelle Männerquote, steht vor dem gleichen Problem. Hier werden nicht selten weniger qualifizierte männliche Personen eingestellt oder auf Posten gewählt, diese Praxis wird allerdings kaum problematisiert. In Ländern wie Schweden, wo eine gesetzliche Frauenquote herrscht, sind aber meines Wissens nach kaum Probleme mit einer plötzlichen Häufung „unqualifizierter Frauen“ aufgetreten; und damit dieses Risiko erst gar nicht auf tritt, müssen Unternehmen und politische Verbände im gleichen Maße Förderangebote für Frauen anbieten wie sie es auch für Männer tun, ggf. über Schutzräume. Die Argumentation impliziert, es gäbe nicht genug Frauen die a) qualifiziert wären oder b) sich weiterbilden wollen würden. Aber ich gehe nicht davon aus, dass das auch tatsächlich der Fall ist, sondern dass es darauf ankommt, wo Frauen abgeholt werden. Deshalb ist die Quote auch kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Faktor, der unter anderem auch ohne sie wünschenswerte Fortbildungsmaßnahmen forciert.

  12. also warten wir nun im bereich vermeintlich „weiblicher“ berufe auf männer, die nur wegen „schwanzbonus“ eingestellt werden? oder triffts eierbonus“ besser?

  13. Zu den Befürchtungen bezüglich der Schlechterqualifiation: Die sind falsch. Aus mehreren Gründen. Zum einen unterstellt man damit, dass Frauen schlechter qualifiziert wären als Männer. Das ist pauschalisierend, und wenn überhaupt stimmt das pauschalisierte Gegenteil: Mädchen haben mittlerweile die besseren Abschlüsse.
    Zum anderen unterstellt man, dass Männer Menschen derzeit ausschließlich aufgrund ihrer Qualifikation eingestellt würden. Das stimmt ebenfalls nur zum Teil. Es gibt Studien, die belegen, dass weiße, heterosexuelle Männer gerne etwas jüngere, weiße, heterosexuelle Männer einstellen. Ein gemeinsamer Hintergrund und ein Netzwerk helfen ebenfalls.
    Schließlich wird praktisch immer nur eine relative Frauenquote diskutiert. Die bedeutet, dass Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt einzustellen sind, bis eine festgelegte Quote erreicht wird.

    Im Übrigen bin ich natürlich dafür, wo immer es geht für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu sorgen. Ich fürchte nur, dass das Problem bei „Frauenberufen“ durch eine Männerquote nicht wirksam angegangen werden kann. Denn das Problem dirt scheinen nicht die vielen Männer zu sein, die nicht gelassen werden. Andererseits – Schaden kann sie auch nicht.

  14. nirgends steht geschrieben oder ist belegt, dass kluge und qualifizierte Menschen die besseren Menschen in der Politik und in Führungspositionen sind, deswegen ist es eigentlich immer diskriminierend, wenn in der Argumention darauf verwiesen wird, dass es auch genügend Frauen gibt, die gebildet, leistungsorientiert und qualifiziert wären.

  15. Auf, RealDeuterium, zeige, dass Poltiker auch handeln statt nur reden können und hänge deine Hose an den Latz. Komme in den Genuß des Frittenbonus, wenn es eh nicht dass war was Du wolltest

  16. Ich verstehe nicht, wie man in meinem Kommentar herauslesen und mir unterstellen kann, dass ich argumentiere, alle/die meisten Frauen wären weniger bzw. unterqualifiziert (also, dass ich pauschalisiere). Ich schrieb „SELBST WENN ein männlicher Mitbewerber qualifizierter wäre“. Das bedeutet, dass es in einzelnen Fällen durchaus so sein könnte und auf keinen Fall, dass generell Frauen weniger qualifiziert wären (dafür kenne ich selbst viele gut/besser qualifizierte Frauen).

    Ich stimme, trotz gesellschaftlichem Fortschritts in dieser Frage, spektrallinie voll zu, dass Frauen gegenüber weniger qualifizierten Männern immernoch an vielen Stellen benachteiligt werden (auch was die Fort- bzw. die Weiterbildung betrifft). Und dagegen MUESSEN wir als Gesellschaft weiterkämpfen und müssen gegen bestehende Benachteiligungen vorgehen.

    Aber ich war und bin immer noch der Meinung man dürfe per Gesetz Diskriminierung nicht durch Benachteiligung ersetzen, unabhängig des Geschlechts!

  17. Zu Tweet1: Er empört sich darüber, dass Frauen, nur aufgrund ihres Geschlechts Posten bekommen. Das nennt er „Tittenbonus“. Natürlich ist die Wortwahl daneben, besonders für einen Politiker, dafür hat er sich auch mittlerweile entschuldigt. Aber im Kern hat er recht.

    Zu Tweet2: er empört sich darüber, dass Quoten aktuell primär für wenige ausgewählte und sehr elitäre Berufe gefordert werden. Davon haben 99,9999% der Frauen da draußen gar nichts. Zudem stellt sich die Frage, warum nur die angenehmen und gut bezahlten berufe mit Quoten versehen werden sollen?! Quoten im Bergbau und im Stahlwerk werden nicht gefordert. Warum nicht? Das ist Rosinenpicken. Darüber empört er sich zu recht. An diesem Tweet gibt es nichts(!) zu kritisieren, es sei denn, man will sich nur einmal sehr frei von Argumenten künstlich aufregen.

    Zu Tweet3: Hier geht es um die Deutungshoheit, die aktuell von ein paar völlig ideologisch verblendeten Feministinnen beansprucht wird, die sich scheinbar (siehe Tweet2) einen Dreck für die Frau selbst, als mehr für den eigenen elitären Vorteil einsetzt. Die Deutungshoheit sollten eben nicht jene haben, die nur am lautesten (und ziemlich dämlich) herum schreien können, sondern jene, die mit Argumenten und Sachverstand an die Sache herangehen. Auch an diesem Tweet gibt es nichts zu bemängeln.

    Zu Tweet4: Ja, die meisten, die sich furchtbar billig empören sind jene Gutmenschen, die so mal kurz in die Medien wollen. Er kritisiert zu Recht, dass die Leute über ihn jammern, die keine Politik für die Mehrheit machen, sondern nur für eine kleine Elite, die es angenehmer haben will.

    Insgesamt zeigt das Gejammer über die Tweets auch in diesem Artikel, den ich gerade kommentiere primär eines: Twitter ist ungeeignet politische Statements in die Welt hinaus zu posaunen und Twitter ist ungeeignet um über die sehr kurzen Statements dort ernsthafte Debatten führen zu können, da die Tweets wie hier im Artikel wunderbar gezeigt ganz gezielt missverstanden werden können um ein mögliches Feinbild aufzubauen bzw. politische Gegner zu diskreditieren.

    Nun kurz meine Meinung zur Quote:

    1)
    Entweder gibt es genug Frauen, die sich bewerben und ausreichend qualifiziert sind für die jeweiligen Jobs, dann brauchen wir keine Quote, weil sich eine Verteilung gemäß der Qualitäten der Bewerber einstellen wird (in Branchen mit weniger weiblichen Bewerbern werden somit auch weniger Frauen eingestellt).
    Oder es gibt nicht genug qualifizierte Frauen, dann sorgt eine Quote dafür, dass Unternehmen gezwungen sind schlecht qualifiziertes Personal einzustellen.

    2)
    Eine Quote kann zudem nicht einfach für alle Branchen und Regionen beschlossen werden. Nehmen wir mal den Bereich Informatik: Wenn wir dort 5% Frauenanteil unter den Absolventen haben, dann ist das viel. Wie soll man da 30% oder gar 40% Frauenquote fordern? Das funktioniert nicht.
    Auch ist das Angebot der weiblichen Bewerber von Region zu Region unterschiedlich. D.h. man müsste für jede Branche, jede Region, jede Firma und jede Abteilung eine eigene Quote erlassen (und kontrollieren). Das wäre ein bürokratisches Monster welches da erschaffen würde – voller Schlupflöcher, Sonderregelungen und nicht durchsetzbar. Das Problem 1) (s.o.) existiert noch zusätzlich.

    3)
    Es wird gerne behauptet, Frauen würden weniger verdienen als Männer und dafür werden absichtlich Statistiken herangezogen, die solche Schlussfolgerungen nicht oder nur sehr begrenzt zulassen, denn: Außertariflich ist jeder selbst für sich verantwortlich. Und somit kaum vergleichbar, denn die Beurteilung der Leistungsfähigkeit und auch Qualifikation sowie die Deutungshoheit über diese Dinge obliegen dem Arbeitgeber und nicht dem Statistiker, der meint eine lustige Studie zu erstellen.
    Selbst wenn man behauptet, dass nach mancher Statistik die Frauen 8% weniger verdienen (die 23% sind eine glatte Lüge oder die Leute die das behaupten sind nicht in der Lage die Statistik zu verstehen) würden, so muss man auf die Realität aufmerksam machen: Arbeitgeber wollen möglichst Kosteneffizient arbeiten. Lohnkosten sind einfache Fixkosten, bei denen man am schnellsten einsparen kann, da das Material weiterhin gekauft werden muss um das Werk auszulasten. Hätte ein Arbeitgeber nun die Wahl, einen Mann oder eine Frau einzustellen, wenn beide gleich qualifiziert sind, dann müsste der Arbeitgeber aus Kostengründen immer(!) der Frau den Vorzug geben.
    Daraus folgt, dass weibliche Arbeitnehmer entweder durch die Bank weg unqualifiziert sind (was nicht stimmt, darüber sind wir uns wohl alle einig!) oder dass Frauen doch nicht soviel günstiger sind als Männer.

    Fazit:
    Diese ganze Quotendebatte ist dominiert von Lügen und/oder Personen, die von der Wirtschaft keinen blassen Schimmer haben. Beides zusammen ist hochgradig gefährlich, da man die Zukunft unserer Wirtschaft dann in die Hände der wohl größten Wirtschaftsstümper legen würde. Wer Quoten will, der muss sie der Logik folgend überall und für beide Geschlechter wollen, ja u.U. sogar für div. ethnische Gruppen und Religionsgemeinschaften und denkt man das mal zu ende, kann es nur scheitern.

    Ansonsten würde es mich mal sehr freuen, wenn in der Debatte weniger gelogen (Statistiken!) würde.

    MfG

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