SPUNK – Futterkooperative

Eine Wertschätzung landwirtschaftlicher Erzeuger*innen in Städten

Food-Cooperatives (Food-Coop) verstehen sich im europäischen Raum als Einkaufsgemeinschaften, die durch direkten Kontakt zum/zur Erzeuger*in Produkte in größeren Mengen kaufen und unter den Mitgliedern dieser Kooperative verteilen können. Dies überspringt den Kauf bei Zwischenhändler*innen und kann in einigen Fällen als Subversion gesehen werden. Dabei wird der Begriff sowohl für WGs, die sich für Sammelbestellungen zusammengeschlossen haben, als auch für durch große Einkaufsgemeinschaften versorgte Kleinstdörfer angewendet. Die Motivationen für die Bildung von Food-Coops sind vielfältig und reichen von reiner Bequemlichkeit bis hin zur Unterstützung anarchistischer Strukturen in Südamerika.

Interessant wird es hierbei vor allem im städtischen Raum. Trotz oder vielleicht sogar wegen der Virulenz von Bioläden bilden sich in manchen Bezirken größere Kooperativen, die Kontakte zu Bauern am Stadtrand pflegen und durch ihre Bestellungen die Waren in das Herz der Städte transportieren. Interesse an gesunder Ernährung geht hier Hand in Hand mit einem anderen Verständnis von Wertschätzung und Vergütung. Durch den direkten Kontakt zu den Bauernhöfen bekommen die Nahrungsmittel ein Gesicht, fast so, als wären die Bauernhöfe tatsächlich in unmittelbarer Nähe. Das Problem der Mittelbarkeit, d.h. der zunehmenden Entfremdung von Produzent*innen und Konsument*innen, wird durch Food-Coops angegangen und im Rahmen der Möglichkeiten entschärft. Food-Coops erlauben den Konsument*innen andere Formen der Qualitätskontrolle, als es bei kommerziellen Verträgen zwischen Agrarbetrieben und Unternehmen der Fall ist. Sie können effektiver als durch bloße Ladenauswahl entscheiden, welche Produkte sie für ihr Geld kaufen möchten. Gleichzeitig stellen sie eine faire Bezahlung der Bäuer*innen sicher. Das Konzept eines Ernährungskooperativs erlaubt es daher, die Arbeit am Acker in einer Art und Weise wertzuschätzen, wie es beim Einkauf im Supermarkt nicht möglich wäre.

Jan Schnorrenberg

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Ausgabe 66: “Stadt und Land” vom “SPUNK”, der Mitgliederzeitung der Grünen Jugend im August 2011.

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