Dudelsäcke & Rassismus. Eine Wahlkampfsongkritik.

Es ist wieder Wahlkampfzeit. Juhee! Und deshalb hat die CDU ein neues Schmankerl online gestellt.
Triggerwarnungen: Rassismus. Gehirnschmelze. Niedersachsen. Dudelsäcke. 
http://www.youtube.com/watch?v=qZdK4sMcLaQ

Die traditionsbewusste Partei der Christdemokraten hat auch dieses Mal Brauchtumspflege begangen. Das können sie bekanntlich besonders gut, und um es uns allen nochmals unter die Nase zu reiben unterlegen sie ihren Wahlkampf in Niedersachsen wie auch schon 2010 in NRW von einem nur schwer in seiner Peinlichkeit zu übertreffenden Wahlkampfsong. “So machen wir das” heißt er, und unterlegt von mehr oder weniger melodischen Dudelsackrohrdurchpustereien wird eine erstaunliche Auswahl an nichtssagenden Kurzfilmclips in Slow-Motion aneinander gereiht die zusammen irgendeine esoterische Epiphanie in der Großrinde der Zuschauer provozieren sollen.

Interessant sind die gestellten Dudelsackorgasmen durchaus. Mir fällt keine andere CDU Kampagne ein, bei der die vermeintlich nicht-deutsche Zugehörigkeit eines Politikers in einem solchen Maße inszeniert und instrumentalisiert wurde. Wenn die Kandidaten deutsch sind, ist das same procedure as every year. Das bedeutet aber auch: Generell fallen CDU Wahlkampfsongs für “deutsche” Spitzenkandidaten nicht wegen ihrer besonderen Verehrung von Bach oder Mozart auf. Eher werden andere Elemente der europäischen Kulturgeschichte wieder aufgewärmt: Rassismus, Abendlandsromantik und realitätsferne Geschlechtervorstellungen.

C wie Clan

Dem interessierten Youtubeausdrucker stellt sich daher die Frage: Was wäre nur, wenn der Spitzenkandidat der CDU nicht McAllister hieße, sondern Özkan? Wären dann die Synthesizer-Dudelsäcke durch ebenso authentische Tamburas aus der Retorte ersetzt worden? Vielleicht noch ein paar wallende Tücher und Shah Rukh Khan Impersonatoren? Geht schließlich alles, denn im Blitzgewitter des Klischees ist alles was nicht aus dem Abendland kommt das Gleiche. Und besondere luxuriös: Der Slogan “Unser Häuptling ist ein Schotte und wir sind ein starker Clan” braucht kaum abgeändert zu werden. Mit dem Begriff des “Clans” hat die CDU ja mit Blick auf ihre hyperreflektierten Einwürfe in die aktuellen Integrationsdebatten schließlich keine Probleme, und Häuptling lässt sich einfach durch “Familienoberhaupt” ersetzen, Schotte durch “Mensch mit Migrationshintergrund”. Dass implizit Gewalt an “linken Sprotten” angedroht wird (“leg dich niemals mit uns an!“) , passt hingegen wieder gut. Die CDU hat ja bekanntlich ein großes Wissen über kriminelle Familienclans, Seilschaften und eine irrationale Angst allem gegenüber, was sich irgendwo “links” einordnet. Vor allem in Niedersachsen. Traditionsbewusst, die Herren.

Aber natürlich würde die CDU nur dann die “ethnische Zugehörigkeit” ihrer Kandidaten dann zur Inszenierung missbrauchen, wenn sie “harmlose” Ethnien und “Traditionen” bedienen muss. Was auch immer in den imaginierten Bereich des Orients fällt, ist schließlich pauschal gewaltbereit und fanatisch. Diese Interpretation stellen führende “christliche” Politiker*innen auch immer wieder gerne unter Beweis. Und seien es nur fragwürdige Plakatkampagnen. Dass die CDU sich nicht zu schade ist mit kulturalistischen Klischees Schottlands zu spielen, gleichzeitig aber eine menschenverachtende Asyl- und Integrationspolitik fährt, wird oft nicht mal als Widerspruch wahrgenommen. Eurozentrismus nennt sich das. Alles was nicht im Einzugsbereich von Europa ist, ist barbarisch und bösartig. Deshalb müssen sich vor allem nicht EU-Bürger*innen aus den westlichen Mitgliedstaaten den gleichen argwöhnischen Blicken erwehren, mit denen Menschen aus nicht-europäischen Ländern tagtäglich traktiert werden.

Eine Frage muss jedoch noch geklärt werden: Was ist eine linke Sprotte? Und was haben diese mit toten Fischen in Zeitungspapier zu tun?! Schottisch kann es schließlich nicht sein. Denn dann wäre der Fisch schließlich frittiert.

Ein Gedanke zu “Dudelsäcke & Rassismus. Eine Wahlkampfsongkritik.

  1. Die CDU scheint ja schlicht nicht zu wissen was sie will oder man muss eben einfach akzeptieren, dass die Staaten und Menschen in Kategorien steckt und urteilt welche Ok sind und welche nicht.

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