#rp13 Tag 2

Ja ja, re:publica. Ein bisschen wie eine Anime-Convention, nur laufen keine Leute verkleidet rum und anstelle von creepy Fotografen (sic!) gibt es Drohnen mit Kameras und Livestreams.

Vorweg: Ich empfand diesen Tag durchaus zwiespältig. Nicht selten hatte ich  das Gefühl, die re:publica zu spät, nämlich im Post-“Über-den-Hai-gesprungen”-Zustand zu erleben. Das mag auch daran gelegen haben, dass ich den Spagat zwischen “Das Internet bricht den Kapitalismus auf!” und “Yay! Start-Ups & Social Media Branding!” als arg gewollt und nicht überzeugend empfunden habe. Zumal die Nachricht, dass Internet ist strukturell nun mal auch anfällig für den Neoliberalismus eigentlich keine Neuigkeit darstellen sollte, aber wahrscheinlich gehört das Leugnen dieser Strukturen zum Narrativ einiger Bereiche der Netzgemeinde.

Gleichzeitig, und meine Doppelrolle als Besucher und Seminarverantwortlicher für’s Lauert Mehr! Projekttutorium hat da gewiss Einfluss gehabt, empfand ich diesen Tag als außerordentlich motivierend, motivierender als ich Bundeskongresse der Grünen Jugend bis jetzt empfunden habe. Es ist schier unbeschreiblich, wenn du merkst dass um dich herum unzählige Menschen sind die sich genauso wie du in dieser Nische Internetz bewegen und du dich mal nicht wie der Nerd auf Abruf fühlst, sondern als digital native.

Es ist eine ganz neue Art der Bestätigung, wenn so viele der Punkte, die mensch versucht in politischen Organisationen wie der Grünen Jugend oder im universitären Kontext zu vermitteln, plötzlich common sense zu sein scheinen. Daher bin ich sehr zufrieden mit diesem Tag. Ich habe zwar in keinem Panel bahnbrechende neue Erkenntnisse gewinnen können, aber dieses Gefühl, mit dem eigenen Sichtweisen auf unsere digitale Gesellschaft auch außerhalb von der c-base und Twitter nicht alleine zu sein hat mich positiv gestimmt. Trotz aller gerechtfertigter Kritik an Format und Anspruch der diesjährigen  re:publica.

Das wird wohl auch einer der Gründe sein, wieso ich die oft angesprochene Selbstbeweihräucherung und “wir drehen uns jetzt im Kreis tralala” etwas unkritischer sehe. In Zeiten wo Sascha Lobo der “Netzgemeinde” eine ziemlich desaströse Bilanz stellt, kann es durchaus wichtig sein, sich noch einmal bewusst zu machen wer diese Netzgemeinde eigentlich sein soll und was sie für ein Verständnis von Technik, Gesellschaft und Kultur verkörpert. Wenn diese re:publica einen Teil dazu beitragen kann, hat sie schon viel geleistet.

Wer noch meinen Senf zu den Panels lesen möchte:

1. Radio Universal 

DankeDankeDanke. Auch wenn es mehr oder weniger eine Werbeveranstaltung für Podlove und Bitlove war, habe ich doch endlich das Gefühl mehr mit dem Konzept und dem Anspruch von Podcasts anfangen zu können. Außerdem hatte dieser Beitrag neben Visionen auch eine konkrete Idee, welche Werkzeuge diese auch verwirklichen könnten.

2. Netzgemüse

Schade, dass in diesem Vortrag weniger die Gedanken und Ratschläge aus der Publikation der beiden Speaker vorgekommen sind und stattdessen ein Groß-Rant auf unser Bildungssystem losgelassen wurde. Wer sich mit Bildungspolitik im politischen Dunstkreis der re:publica auseinander gesetzt hat, konnte daher wenig Neues aus diesem Talk mitnehmen. Dafür war der Rant sehr zitierfähig und pointiert.

3. Digitalistan

Ich hätte mir gewünscht, dass der Aspekt der Mündigkeit stärker herausgearbeitet worden wäre. Beziehungsweise die Frage gestellt worden wäre, inwieweit Mündigkeit überhaupt eine sinnvolle Kategorie ist um die Herangehensweise einer jungen Generation mit einer Technik die älter ist als sie zu beschreiben.

4. Say Digital Humanities One More Time!

Toller, eloquenter Speaker und eine sehr interessante, mir eher unbekannte Spielart der Digital Humanities (ich kenne den Begriff hauptsächlich von der Culture Machine) als eine Sichtweise auf das Erstellen und Verbessern von Infrastrukturen des Wissens.

5. DigiGes-Nachmittag

Ich bin jetzt Fördermitglied. ’nuff said.

6. Embrace the Hate

Es war ganz lustig eigene Hate-Mail zu designen, allerdings ging ich mehr mit der Erwartung hinein, etwas darüber zu lernen wie ich die Zusammenarbeit mit Menschen die ich wenig bis gar nicht schätze möglichst produktiv gestalten kann. Das war aber auch eher eine Interpretation von mir.

7. Bratwürste

“Workshops” die nur daraus bestehen einen zwar lustigen, aber letztlich recht simplen tumblr vorzustellen, erschließen sich mir vom Sinn her nicht. Außerdem bietet die Bratwurst mehr Potenzial für semi-lustige Sprüche als ihre phallische Form.

8. Dorkbots

Die happy-sisyphos Maschine hat’s gerettet. Lag aber wohl auch daran, dass ich ein Camus-Fanboy bin.

Ich hätte übrigens wahnsinnig gern die Astronomie-Sessions mitbekommen, aber wozu gibt es die Aufzeichnungen? 🙂

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