Die Zukunft ist politisch.

“Ich wage zu behaupten, dass ein Mensch, der nicht an eine bessere Zukunft glaubt, die Welt und vielleicht auch schon sich selbst aufgegeben hat.”

Heute ist der Tag, an dem Marty McFly uns deinen Besuch abstattet. Im Internet nehmen wir das zur Kenntnis: Erleichtert, weil wir keine Doppelkrawatten tragen müssen. Und nicht nur ein bisschen verärgert darüber, dass es keine echten Hoverboards gibt. Hoverboards sind für unsere Generation das, was für unsere Elterngeneration Jetpacks waren. Symbole, die die Welt unserer Jugend von der Zukunft fein säuberlich trennen. Erkennungszeichen dafür, endlich in der Zukunft zu leben. Eine Errungenschaft.

Das Zitat zu Beginn dieses Textes stammt aus dem Buch “Utopien. Träume der jüngsten Generation”. Es ist 1991 in der Schweiz herausgebracht worden und beinhaltet die Aufsätze zweier Schulklassen zum Thema “Utopie” und “Zukunft”. Es ist eine sehr interessante Lektüre, die über Strecken aber sehr deprimiert. Formulierungen wie “Die Welt stirbt. Die Zeit drängt” oder “Ich denke, dass es im Jahr 2000 nur noch wenige gesunde Bäume geben wird” wechseln sich ab mit teils sehr progressiven Vorstellungen einer zukünftigen Gesellschaft – die aber von vielen Autor_innen direkt wieder abgeschwächt werden, indem sie sie als “unrealistische Utopien” bezeichneten.

Während 2015 in Zurück in die Zukunft aussieht als seien eine Kaugummifabrik und ein Computerersatzteillager nebeneinander explodiert, haben sich junge Menschen in meinem Geburtsjahr die Welt sehr ambivalent vorgestellt. Damals brach der Golfkrieg aus, die Sowjetunion zerfiel und das Bewusstsein für Natur- und Umweltschutz wurde präsenter. Nicht die idealste Zeit, um sich voller Optimismus und Inbrunst in die Zukunft zu stürzen. Oder vielleicht auch gerade deshalb. Wenn ich mir diese Aufsätze durchlese, kann ich auf einer persönlicheren Ebene viel stärker nachvollziehen, wieso wir heute so große Probleme damit haben auf positive Zukunftsvisionen zu kommen.

Die Vorstellung von Hoverboards, Jetpacks oder auch von einer Welt in der es saubere Luft nur noch durch Atemmasken gibt, all das sind Zukunftsvorstellungen. Worüber sie uns am Ende aber wirklich Auskunft geben, ist die Gesellschaft, in denen sie entstanden sind. Die Versprechungen, die Wünsche, die Hoffnungen, aber auch die Unsicherheiten, die Skepsis und die Ängste einer Gesellschaft sind auf fundamentaler Weise in sie eingeschrieben.

Und das macht Zukunft am Ende zu etwas Politischem. Das macht Zukunft zu einem Ort, in dem es Kämpfe um Deutungshoheiten gibt. Darüber, wovor eine Gesellschaft Angst haben, aber auch, was sie für Ziele haben sollte. Und hier schließt sich der Kreis. Denn gegenwärtig versuchen vor allem diejenigen laut zu sein, die vorgeben, um die Zukunft besorgt zu sein, aber eigentlich zurück wollen. Zurück in eine Vergangenheit, die man am liebsten romantisiert und verkitscht nennen würde, die aber im Kern dunkel ist. Besorgte Bürgerinnen, besorgte Eltern und besorgte Feuilletonistinnen profitieren alle davon, dass ihren Schauergeschichten zu wenig entgegen gesetzt wird. Wer den Diskurs übernimmt, wird Dirigentin der Zukunft.

Es reicht nicht, den Hoverboards nachzutrauern. Die wahren Projekte, an denen sich eine positive Zukunft messen muss, sind viel größer. Und deshalb sollten wir dem gesellschaftlichen Backlash etwas entgegen setzen. Deshalb sollten wir unsere Visionen und Wünsche nicht als unrealistische Utopien, sondern als Herausforderungen begreifen, die wir mit Leben füllen müssen.

Deshalb sollten wir Zurück in die Zukunft.

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